Wir feiern unsere Gottesdienste an mehreren Orten. Tage und Zeiten finden Sie hier.

Wir laden sie herzlich ein zu Vorträgen, Begegnungen, Diskussionen und Exkursionen.
In unserer Gemeinde wird viel musiziert. Termine finden Sie hier.
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“Ist er auch katholisch???”

„Ist er auch katholisch?“ - Das war vor vielen Jahren eine der ersten Fragen, die meine Oma mir gestellt hat, als ich erzählte, dass ich einen Freund habe. Vor 30 – 40 – 50 Jahren waren die Gräben tief zwischen evangelischen und katholischen Christen. Vorbehalte gegenüber „den Anderen – den Wüstgläubigen“ gab es auf beiden Seiten. Als „die anderen“, die mit dem „falschen Glauben“, wurden je nach Region mal die Katholischen mal die Evangelischen bezeichnet. Unvorstellbar wäre es noch vor wenigen Jahren gewesen, dass eine katholische Gemeindereferentin ihre Gedanken im evangelischen Gemeindebrief veröffentlicht und im Gegenzug ein evangelischer Pfarrer seine Gedanken im katholischen Pfarrbrief. Die Vorbehalte waren so groß, dass es in manchen Familien wahre Dramen gab: Da durften Liebende nicht zusammenkommen, da durften Freunde sich nicht mehr treffen, … – und das alles im Namen des einen Herrn Jesus Christus. „Total verrückt!“, so reagieren meist Jugendliche, wenn wir uns über die jüngste Geschichte unserer Kirchen unterhalten. Und sie haben Recht! Was für ein Paradox! Im Namen Jesu Christi wurde (und wird leider auch heute noch teilweise) getrennt, was zusammen gehört, Gutes unterbunden, Gräben vertieft, Unfrieden gestiftet. Und wir? Wie agieren wir?

Nennen wir uns doch Christen!

Beten wir doch zu dem selben Gott! Die Zeiten haben sich (zum Glück) geändert. Vieles teilen wir, und auf beiden Seiten ist eine Bereitschaft gewachsen, dem anderen zuzuhören und Gutes anzuerkennen. Die Zeichen unserer Zeit stehen auf Versöhnung.

In einer eindrucksvollen Feier im vergangenen Jahr durften wir alle Papst Franziskus bei den Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum in Lund erleben. Er zeigt der Weltkirche: Jetzt gilt es gemeinsam zu handeln, denn

WIR SIND EINS IN JESUS CHRISTUS!

Auch hier in Sigmaringen gehen wir in vielen Bereichen gemeinsame Wege, kooperieren die katholische und die evangelische Kirche, nähern wir uns immer mehr an und trauen, ja vertrauen dem anderen. Trotz aller guten Schritte gibt es noch viel zu tun! Deshalb: Lasst uns nicht müde werden in unserem Bemühen das Trennende zu überwinden, respektvoll miteinander umzugehen und im anderen das zu sehen, was er, was sie ist: meine Schwester – mein Bruder!

Diese Zusammengehörigkeit feiern wir mit einem großen Ökumenischen Kirchenfest – einem Fest der Begegnung - am 24. September!

Miteinander leben - Miteinander für unsere Erde - Miteinander glauben.

In diesem Miteinander schaffen wir mit Gottes Hilfe Neues, schaffen wir eine neue Wirklichkeit, zeigen wir der Welt, was Christsein bedeutet!Feiern Sie mit uns! Gestalten wir jeden Tag neu miteinander eine Welt, in der spürbar ist: Gott ist da! Ja, „schon schafft er Neues! Seht ihr es nicht?“ (vgl. Jes 43,19) Ich freue mich auf viele gute Begegnungen und ein gutes Miteinander! 

 

Ihre Maritta Lieb

Gemeindereferentin in der 

Katholischen Seelsorgeeinheit Sigmaringen

Er ist wahrhaftig auferstanden!*

Grabesleere

* Erfüllt von den Worten Jesu waren sie voller Hoffnung auf eine neue Zeit. Sie erlebten, wie mit ihm alles anders werden kann: Die Menschen werden gesund und heil, hören die frohe Botschaft, lernen neu miteinander umzugehen. Sie spürten an sich selbst, wie sie sich schon verändert hatten, wie ihr Herz neu sehen lernte.

In der Nähe ihres Lehrers Jesus schien ihnen alles möglich.

Wer viel hat, kann auch viel verlieren. Die Jüngerinnen und Jünger verloren viel, verloren alles – mit Jesus.

Was es heißt, sich von lieben, von liebsten Menschen trennen zu müssen, das weiß nur, wer es erleidet.

Unter den Bedingungen der Vergänglichkeit stoßen unsere Beziehungen an Grenzen, die wir nicht überwinden können: Media vita in morte sumus (Mitten im Leben sind wir im Tod), heißt es in einem alten Gesang.

Trauernde erzählen von dem großen Loch, das sie an der Stelle spüren, wo zuvor Glück und Hoffnung sie erfüllten.

Wohin geht man, wenn Leere das eigene Herz bestimmt? Die Freunde Jesu schlossen sich ängstlich ein, wollten nichts mehr sehen und hören.

Wohin geht man, wenn Leere das eigene Herz bestimmt? Drei Jüngerinnen machen sich als Erste auf und gehen zum Grab, obwohl sie noch unendlich traurig sind. Sie stehen auf in ihrer Trauer. Sie spüren den Schmerz und bringen ihn dorthin, wo der begraben wurde, dem sie doch immer nahe bleiben wollten.

Was ihnen am Felsengrab begegnet, überfordert sie zunächst – „Zittern und Entsetzen“ (Markus 16,8) ergreift sie. Der Stein ist weggewälzt, sie sehen die Grabesleere, ein Engel sagt etwas von Auferstehung.

Es ist nicht von einem Moment auf den anderen alles gut. Die Leere in ihnen bestimmt noch ihr Denken und Fühlen; bald aber wird die Grabesleere sie erfüllen. Die Ostersonne braucht noch etwas Zeit, bis sie Herz und Mund erwärmt und doch glänzt sie bereits über ihren erschrockenen Gesichtern.

Langsam fassen sie Mut und spüren: Jesus lebt und lebt in uns. Er bleibt bei uns: auch in den Tagen des Leides und des Schmerzes. Er bleibt bei uns, auch in den Tagen der Krankheit. Er bleibt bei uns an jedem Tag, auch an dem unseres Sterbens – und alle Tage in der Ewigkeit.

Möge diese alles umfassende Hoffnung, möge das leere Grab unser Herz ausfüllen in dieser Osterzeit!                                   

Micha Fingerle

 

„Euch ist heute der Heiland geboren!“

Diese Worte haben sie berührt. Die Hirten machten sich auf, ließen ihren Alltag hinter sich. Sie wollten finden, was ihnen zugesagt worden war. Die Sehnsucht nach erfülltem Leben wurde neu wach in ihnen, greifbar nah schien die Rettung, die heile Welt.

Sie fanden, was sie suchten: In der Krippe das Kind bei Ochs und Esel. Die heile Welt sieht freilich anders aus.

In heizbaren Kirchen freuen wir uns am Krippenspiel der Kinder, wir mögen die Weihnachtslieder, die Lichter und die Stimmung dieser Zeit. Liebevoll suchen wir Weihnachtsgeschenke für unsere Lieben aus. Wir wollen einander eine Freude machen. Das ist gut so, und es darf und soll so sein.

Aber es ist nicht das, was die Hirten gefunden haben - damals in Bethlehem.

Der Stall, die Krippe, die Tiere, all das war ihnen vertraut aus ihrem Alltag. In dieser, ihrer vertrauten Welt fanden sie, was sie gesucht hatten. Sie konnten es fassen und glauben: „Euch ist heute der Heiland geboren“. Sie knieten nieder vor dem Kind und priesen und lobten Gott. Stärker kann Freude nicht ausgedrückt werden. 

Im Kind in der Krippe ist Gott in ihre vertraute Welt gekommen. In die Welt, in der es an so vielen Orten kalt, rau und erbarmungslos zugeht, ist Christushineingeboren worden. Gott ist uns nahe, auch da, wo das Leben hart ist, weil er die Welt mit ihren Schattenseiten nicht verloren geben will.

Es ist schön, dass die Weihnachtstradition bei uns immer noch eine so große Bedeutung hat, dass unsere Kirchen an den Weihnachtstagen immer noch voller sind als sonst und dass wir diese Festtage auch in den Familien liebevoll gestalten.

Doch die uns so vertraute und liebgewordene Weihnachtsgeschichte muss uns immer wieder fremd werden, damit wir die Weihnachtsbotschaft neu in ihrer Tiefe erfassen.

Rudolf Otto Wiemers Gedicht kann dabei eine Hilfe sein (EG S. 97):

Bethlehem

Ein Ort in allen vier Winden,

ein Ort mit Tauben und Blinden –

Bethlehem.

Ein Ort, so arm wie verloren,

mit verschlossenen Herzen und Toren –

Bethlehem.

Ein Ort mit Gassen und Straßen,

in denen Flüchtlinge saßen –

Bethlehem.

Ein Ort mit Spöttern und Frommen,

ein Ort, wo wir alle herkommen –

Bethlehem.

Ein Ort, wo wir alle hingehen,

das Kind in der Krippe zu sehen –

Bethlehem.

Ein Ort, wo wir knien auf Erden:

Gott will unser Bruder werden –

Bethlehem.   

Bethlehem ist auch für uns nicht weit. Es ist in unserer Lebenswelt. In ihr ist manches nicht in Ordnung: Aufkommende Stimmungen nähren die Angst vor der Spaltung der Gesellschaft, es gibt keinen Frieden in der Welt, immer noch so viele Menschen auf der Flucht, immer noch Hunger, der nicht sein müsste, und es muss hart um das Stoppen des Klimawandels gerungen werden, dann auch die persönlichen Belastungen, Sorgen, Krisen und Verlusterfahrungen, in denen sich Menschen und auch Familien oft so alleine fühlen. 

In all diese Situationen wird es wieder hineingesagt: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Gott will mitten unter uns wohnen, um sich aller zu erbarmen. Und - im Kind in der Krippe wirbt Gott auch um unser Erbarmen, das die Welt braucht, überall da, wo sie nicht in Ordnung ist. 

„Euch ist heute der Heiland geboren.“ Wer von diesen Worten berührt wird, kann aufbrechen - nach Bethlehem - und über die Christgeburt staunen, Gott preisen und loben, neu aufs Leben sehen und neu ins Leben gehen. Ich bin davon überzeugt, dass die Weihnachtsbotschaft auch heute noch Menschen berührt, sie für Liebe und Erbarmen öffnet und verändert. Da kann die Welt an vielen Orten wenigstens ein Stück heiler werden. Wenn das nicht Mut macht!

Ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest wünscht Ihnen  Ilse Hornäcker (Pfarrerin i.R.)

             

Lindigkeit

Die Sonne glüht auf ihrer Haut. Trotz drückender Hitze haben sie die Wanderung angetreten, die sie sich für diesen Urlaubstag vorgenommen hatten. Der Aufstieg will gar nicht mehr enden, obwohl es nur leicht bergauf geht. Erst kurz bevor sie die Anhöhe erreichen, sehen sie, was da oben den Hügel ziert: eine alleinstehende Linde mit breiter Krone, die einen entsprechend gro.zügigen Schatten wirft. Eindrucksvoll und bescheiden zugleich wirkt der Baum. Ohne sich darüber verständigen zu müssen, legen die Wanderfreunde alle Rucksäcke ab – und sich selbst ins weiche Gras, in den schützenden Schatten der Linde. Jetzt spüren sie erst das wohltuende Lüftchen. Sie sehen die starken Wurzeln, die wohl schon in heftigen Gewittern Halt gaben. Dann schauen sie hinauf in das dichte Blattwerk – und atmen auf.

Die Lindigkeit Christi malte noch die Übersetzung von 1912 vor Augen (2. Kor.10,1). Ein Wort wie ein Bild! Lindigkeit kann man beschreiben – wer sie aber erlebt und meditiert, bekommt erst den vollen Geschmack. Freilich leitet sich „Lindigkeit“ nicht direkt von „Linde“ her. Dennoch lässt dieser Ausdruck Luthers an einen Lindenbaum und seine Eigenschaften denken – und malt es ins Herz, auf welche Weise Gott sich uns zuwendet in seinem Sohn: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt. 11,28)

Diese Lindigkeit lässt uns Christus zuteilwerden, sie wird spürbar in seinem Wort und Sakrament. Wer diese Erfahrung macht, vernimmt auch die Einladung von Phil. 4,5:

„Eure Lindigkeit lasst kund sein allen Menschen!“

Als Gemeinde fragen wir danach, wie wir so für alle Menschen da sein können. Seit alter Zeit pflanzt man Lindenbäume dort, wo man sich trifft, wo man kommuniziert und den Frieden lebt. Die Dorflinde bildet vielerorts das Zentrum. Luther selbst beschrieb die soziale Bedeutung des Lindenbaumes in seiner Sacharja-Auslegung: „unter der linden pflegen wir zu trinken, tanzen und frölich sein, nicht streiten noch ernsten, denn die linde ist bei uns ein friede und freude baum“ Vielleicht war ja schon ein Stück davon zu spüren beim Sommerfest unter der Linde. Gleichzeitig bleibt die Sehnsucht, immer wieder die Lindigkeit Christi zu erleben – und sie, über Grenzen hinweg, mit allen Menschen zu teilen.

Micha J. Fingerle 

 

  Erkennungszeichen

Wer hart am Wind segelt, kommt schnell mit dem Boot voran, braucht aber viel Geschick und Kraft der ganzen Mannschaft. Aus der Mitte heraus nach außen zu strahlen, was einen selbst erfüllt, und zugleich die Verbindung zu vielen Menschen und an viele Orte zu halten, auch das zeichnet eine Kirchengemeinde aus.

Das von Horst Mielitz entworfene Erkennungszeichen unserer evangelischen Kirchengemeinde Sigmaringen, das erstmals auf diesem Gemeindebrief zu sehen ist, trägt beide Botschaften in sich. Der Kirchengemeinderat hofft, dass dieses Logo bald allen zur Wiedererkennung hilft. Die bisherigen Zeichnungen von Stadtkirche und Kreuzkirche werden weiterhin benutzt, sie signalisieren nun den Ort, an dem eine Veranstaltung stattfindet.

Doch nicht nur ein Segel und die Strahlen sind im neuen Signet enthalten, es sind auch zwei bauliche Elemente unserer Kirchen erkennbar: Der Turm der Kreuzkirche bildet mit seinem Umriss die Vorlage für das in der Kirchenfarbe gezeichnete Dreieck und verweist auf den, der über uns und über allen Menschen ist, während die Rosette der Stadtkirche die Mitte betont, die wir in Christus haben, auf den wir hinweisen und von dem unsere Ausstrahlung kommt. Vielleicht kommt für manche dieses Schmuckstück der neogotischen Steinmetzkunst, das im Zug der Aussenrekonstruktion der Stadtkirche erneuert wurde, erst jetzt in den Blick, denn im Inneren der Kirche sehen es nur die Chorsänger, die Konfirmanden bei der Verpflichtung und die Liturgen. Und von außen ist die Rosette nur zu sehen, wenn man vom Gemeindehaus auf die Rückseite der Kirche blickt.

Im Erkennungszeichen unserer Kirchengemeinde zeigt sich also die Aussage der festen Steine und der Architektur. Zugleich aber erinnert die Rosette an Blütenblätter, die sich langsam entfalten und nur schrittweise zur vollen Blüte kommen. So werden wir daran erinnert, dass auch im Glaubensleben sich vieles langsam entwickelt und wir oftmals gar nicht wissen wie (Markus 4).

Manche Gemeindeglieder haben mir schon gesagt, dass die Rosette auch wie eine Reihe von Kerzen wirkt – die flammende Form hatte die Gotik sehr wohl im Blick. Gewiss finden sich noch weitere Deutungen dieses neuen Erkennungszeichens, die uns in verschiedenen Zeiten auch unterschiedlich ansprechen können.

Als Gemeinde, die an vielen Orten und Ortschaften um Sigmaringen herum lebt, und in der verschiedene Prägungen zusammenkommen, brauchen wir den Blick dafür, wie Vielfalt und Einheit zusammengehören: Denn je näher wir von unseren Unterschieden her der Mitte kommen, die Christus für uns ist, desto näher kommen wir auch einander.

Albrecht Knoch

Auszug

Was würde mich dazu bringen, meine Heimat aufzugeben? Partner, Familie und Freunden Leb­wohl zu sagen, mein Hab und Gut zurück­zulassen und loszuziehen, ohne zu wissen, was mich erwartet?

Bittere Hungersnot erschüttert das Land. Nach sieben Jahren üppiger Ernte gehen nun selbst die letzten Notvorräte zur Neige. Jakob bleibt nichts anderes übrig, er schickt seine Söhne nach Ägypten, wo an den Ufern des Nils noch reichlich Getreide die Scheunen füllt. Nur Benjamin, seinen innig geliebten Sohn, lässt er nicht gehen. Zehn Brüder ziehen los, in der Hoffnung, die Familie vor dem Hungertod zu retten. Ohne zu wissen, wie sie dort empfangen werden. Fremde Sprache, fremdes Land.

 

Relief an der Eingangstür der Kreuzkirche
(Erich Kaiser, Bermatingen)

Auch ein junges Paar nimmt es in Kauf: Nur weg von der grausamen Willkür dieses Herrschers! 

Wie eine unheilvolle Wolke umgibt sie die Angst um ihren Sohn. Selbst auf Schutz angewiesen, beschirmen die Eltern den Säugling auf der Flucht. Nichts soll das Kind spüren von der Gefahr, Maria und Josef ermöglichen Jesus eine eigene Welt voller Geborgenheit. Wer die bedrohte Familie wohl damals in Ägypten aufgenommen hat?

Gründe wie zu Zeiten Jakobs und Jesu treiben Menschen auch heute in die Flucht. Weihnachten erzählt von einer zuerst obdachlosen und dann verfolgten Familie, die in Ägypten Zuflucht sucht. Im Mittelpunkt steht ein Emigrant einzigartiger Natur. Nicht aus eigener Not zog er aus, sondern um sich der Menschen Not zu erbarmen: 

 

Heute geht aus seiner Kammer

Gottes Held, der die Welt

reißt aus allem Jammer.

Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute,

Gottes Kind, das verbind't

sich mit unserm Blute.

(Paul Gerhardt, EG 36,2)

 

An Weihnachten feiern wir den unbegreiflichen Auszug Gottes zu uns Menschen. Gottes Sohn gibt seine Heimat auf, um uns nahe zu sein! 

Die Nähe Gottes bringt uns auch einander näher. Junge und erfahrene Menschen entdecken gegen­seitig ihre Schätze. Nachbarn mit und ohne Migrationshintergrund werden Weggefährten. Wer arm, krank oder einsam ist, wird nicht vergessen. Suchende und Verwurzelte finden eine gemein­same Sprache.

Bei Gott ist Platz für uns!
Hoffentlich ist es auch an Weihnachten 2015 zu spüren.

Micha Fingerle

 

Kirche am Markt

Geburtstagsbesuche

Verabschiedung von Kantorin Margit Barsch

Brücken bauen

 

In der Mitte liegt ein großer Felsblock, umtost vom Gebirgsfluß der Verzasca und mit Schwung verbindet die alte Brücke beide Talseiten.

So kommen Fußgänger oder Tragetiere seit vielen Jahrhunderten hinüber und herüber, sind Verbindungen möglich dank der stabilen und zugleich eleganten Baukunst der Römer. Begegnungen und Handel, der Austausch von Ideen und lebensnotwendigen Waren werden ohne Umwege möglich.

Seit ich als Kind zum ersten Mal über diese Brücke gegangen bin, hat sich mir ihr Aufbau wie ein Modell eingeprägt für jeden Brückenschlag. Denn durch den Zwischenhalt in der Mitte wird das Hinüber- und Herüber einer Brücke ganz augenfällig. Und wo sonst der Bogen überspannt wäre, hilft der Felsblock in der Mitte die große Distanz zu überwinden.

 

 

Römische Brücke im Verzasca Tal im Tessin        Bild ck

Als Christen vertrauen wir darauf, dass Gott die Brücke zu uns geschlagen hat, zwischen ihm und uns die Verbindung herstellt und uns dadurch auch zueinander in eine neue Beziehung stellt.

Diese Brücke ruht auf Christus, der Mensch und Gott zugleich ist und so zwischen beiden Seiten den Zusammenhalt bewirkt (1. Timotheus Brief, Kap. 2, 4-6a).

Die schwungvolle Bewegung der römischen Brücke kann an die große Weite der Liebe Gottes erinnern, die entfernte Ufer verbindet, sich über Abgründe spannt und allen Menschen gilt.

Darauf können wir vertrauen, wenn auch wir über diese Brücke gehen und durch diese von Christus ermöglichte Verbundenheit mit Gott in ganz verschiedener Weise unseren Glauben leben.

Dann werden wir wie von selbst in die Bewegung der Weite hineingenommen, um weitere Brücken zu bauen, auf ihnen zu gehen, herüber und hinüber. Sie werden nicht alle so elegant aussehen wie die römische Brücke, aber wir sind herausgefordert, untereinander und zu denen, die aus der Ferne uns nahe kommen, Brücken zu schlagen.

Vom alten Rom hat der Papst den Titel „Pontifex“ übernommen, „Brückenbauer“. Dieser Auftrag ist aber nicht nur auf ihn beschränkt, sondern allen Christen gegeben und beruht auf der Verbindung, die Christus selbst bewirkt.

Wenn wir über diese Brücken hinüber und herüber gehen, von unserer eigenen Seite aus und dann von der Seite des Anderen aus die Situation betrachten lernen, wenn wir Gedanken und Ideen in einem Geben und Nehmen austauschen, wächst uns neue Kraft zu.

Es braucht Mut und Geschick, auch Geduld, um Brücken zu bauen, aber wer dann darüber geht und andere dabei mitnimmt, erfährt, wieviel neue Kraft dabei frei wird, in welche Weite er geführt wird.                                                Albrecht Knoch

Osterfreude

Historisch zweifelhaft und dennoch voller Wahrheit ist der Osterwitz, den man sich über Josef von Arimathäa erzählt:

Nachdem ihm der Leichnam Jesu überlassen wurde, bestattet er diesen in einem Felsengrab.
Nun hat Josef aber ein Problem: Seine Frau weiß nichts davon! Als er nach Hause kommt und ihr davon erzählt, verliert sie die Fassung: „Wie kannst Du nur, Seppl! Wir haben das Grab nicht für einen Wanderprediger, sondern für uns gekauft! Willst du denn, dass man uns einmal verscharrt?“

„Aber Schatz“, beschwichtigt Josef seine Frau, „es ist doch nur für ein Wochenende!“

Sie strahlt uns entgegen, sie ist ansteckend wie ein freies, lautes Lachen. Sie trotzt Hölle, Tod und Teufel, alle Lebensfeinde lacht sie aus. Sie befreit das Lachen in uns. Die Osterfreude!

Wer von der Osterfreude angesteckt wird, lacht der Wirklichkeit des Todes ins Gesicht. Wie ein guter Witz stellt sie alles auf den Kopf: Aus Karfreitag wird Ostersonntag, den tiefsten Abgrund wandelt sie zur höchsten Hoffnung. Das ist der Humor der Auferstehung! 

Dieser Humor sieht beides zugleich, unsere engen Grenzen und die göttliche Kraft. Er weiß darum, dass beides oft so unverbunden nebeneinander steht. Eine schmerzhafte Spannung, in uns, zwischen Himmel und Erde. Naheliegend, aber humorlos wäre es, zu resignieren. 

Der Auferstehungshumor macht zäh und hoffnungsstark, er hilft uns mit all den Widersprüchen zu leben, mit denen wir zu tun haben: Wir müssen ja noch trauern und können Trauer nicht einfach überspringen. Wir können nicht so tun, als gäbe es keine Dunkelheiten mehr. Wir können auch nicht verdrängen, dass unser Handeln Stückwerk und die Not um uns erschreckend groß bleibt.

Die Osterfreude ist wie ein Lachen in der Dunkelheit. Sie belebt uns, voller Kraft. Sie schenkt uns die österliche Per­spektive, die in tiefster Nacht bereits den Morgen sieht und sein Strahlen vorwegnimmt: in unserer Gewissheit und immer wieder auch auf unserem Gesicht… weil sie unser Lachen befreit! 

Sie setzt uns in Bewegung, bringt uns zu unserem Nächsten, der nur Dunkles vor Augen hat. Durch sie können wir mit den Weinenden weinen, weil unser Auferstehungshumor uns gewiss macht: Wir gehören bereits zu Gottes Leben. Stets sind wir die Seinen, „Lachen oder Weinen wird gesegnet sein“ (EG 170). Dieser Humor macht ernst mit dem Leben!

Dass der Auferstandene uns zu seinem Humor begabt, dass wir angesteckt werden von der Osterfreude, spürbar und hörbar, das wünsche ich uns.

Micha Fingerle

Geburt
 
Ankommen dürfen
beim Kind
in der Krippe
einen Augenblick lang
 
endlich angekommen
bleiben dürfen
einen Augenblick lang
ganz sicher
 
sein
im Frieden
erfüllt
und dankbar
 
und staunen
und ganz still werden
und dankbar sein
und erfüllt
 
und herausgefordert
zu neuem Weg
Zukunft
und Lebendigkeit

Andrea Schwarz

Ankommen, das ist ein Wunsch, den viele von uns nur allzu gut verstehen. Ankommen nach den Vorbereitungen zum Fest oder dem Advent, der wieder voller Aufgaben war und nicht voller Ruhe. Ankommen beim Kind in der Krippe.

Ankommen im Frieden. Ja, oft ist es nur ein Augenblick – die Feiertage sind schnell vorbei. Aber dann gibt es diesen Moment: ein Weihnachtslied in der Kirche, das mein Herz weit macht; eine Karte, ganz unerwartet und voller Versöhnung; die Weihnachtsgeschichte, so vertraut und doch immer wieder neu. „Und staunen und ganz still werden und dankbar sein“… Und spüren, dass Weihnachten mehr sein kann.

Angekommen, das sind auch die Flüchtlinge in unserem Land, in unserer Stadt. „Einen Augenblick lang ganz sicher sein“ – für sie ist dieser Wunsch noch viel drängender, viel näher. Viele von ihnen haben solch eine Sicherheit lange nicht gekannt, vielleicht noch nie gespürt.

Wir sind herausgefordert „zu neuem Weg, Zukunft und Lebendigkeit“. Dazu gehört auch, Flüchtlingen offen zu begegnen, sie willkommen zu heißen und ein lebendiges Miteinander zu gestalten. Wie das konkret aussehen kann, das können wir immer wieder neu überlegen.

Weihnachten „im Frieden“ – mit sich und mit anderen. Vielleicht beim mehrsprachigen Gottesdienst an Heiligabend, vielleicht in der Nachbarschaft, vielleicht in einem Café-Treff mit Menschen aus anderen Nationen.

Die Weihnachtsbotschaft kommt zu uns – nicht nur an Weihnachten, wenn es friedlich und still um uns ist. Gott wurde Mensch und hat allesdurchlebt, was zum Menschsein dazugehört. Er hat das Fremdsein ertragen, Ablehnung, Einsamkeit und den Tod. Und er hat all das für uns überwunden.

Weihnachten - das Leben erscheint. Nicht nur an Heiligabend. Auch auf dem Weg in die Zukunft.

„Erfüllt und dankbar“ für diese Weihnachtsbotschaft zu sein, das wünsche ich uns allen.                                            

Kathrin Fingerle


Gott wird Mensch

Das feiern wir an Weihnachten: Gott wird Mensch und zeigt so, wer er wirklich ist.

 

Der große Gott wird ganz klein, der ewigreiche Gott wird arm (2. Kor. 8, 9). So verändert sich Gott uns zu Gute, lässt uns sein Innerstes sehen und bleibt sich gerade darin treu. Gott geht diese höchste Veränderung in der tiefsten Tiefe ein, wenn es Weihnachten wird. Seine Geburt in Jesus Christus bringt zum Ausdruck, wie er seiner Liebe zu den Menschen, wie er sich und der Welt treu bleibt.

Auf den ersten Blick gilt anderes in unserem Leben: „Sei Du selbst!“ oder auch: „Bleibe Dir treu.“ Identität, so hören wir da heraus, entstehe immer dann, wenn wir gleich blieben. Der Philosoph Kierkegaard hat das schon beschrieben, wie der Mensch „sich selbst sein wolle“ und darüber gar verzweifeln kann.

Es ist sicher wahr, dass Veränderungen viel Unerwartetes und Unerwartbares mit sich bringen. Da ist unsere ganze Aufmerksamkeit, unsere Geduld und Kraft, und manchmal machen uns solche Veränderungen Sorgen.

In einem zweiten, tieferen Blick können wir durch Weihnachten von Gott lernen, dass unsere Identität Veränderungen nicht aus-, sondern einschließt und wir dennoch uns treu bleiben können. Nicht wenn alles gleich bleibt, entsteht Identität, sondern wenn es möglich wird, sich in der Veränderung selbst zu bleiben.

In der Bibel zeigt sich das bei den Menschen, die sich auf den Glaubensweg machen, wie Abraham oder die Jünger Jesu. Sie werden durch die Begegnung mit Gott verändert und bleiben zugleich sie selbst.

Gott sagt von sich: „Ich werde sein, der ich sein werde“ (2. Mose 3, 14) und er zeigt sich je und je ganz neu, in jeder Situation begegnet er den Menschen anders, aber doch mit der gleichen Liebe.

In aller Veränderung bleibt Gott treu: Ohne stehen oder stecken zu bleiben steht er fest zu seiner Verheißung. Das Wort „Amen“ meint im Hebräischen „es steht fest“. Aus dem gleichen Wort wird auch das Wort für „Glaube“ gebildet und meint dann: „fest hingestellt werden“.  Aus Gottes Treue bekommen wir unserseits die Kraft, zu Glauben und in allen Veränderungen Gott und uns selbst treu zu bleiben.

Gott bleibt treu in allem Wandel. An Weihnachten feiern wir, dass Gottes tiefste Identität genau da ans Licht tritt, wo die Welt ganz dunkel ist. Seine Liebe wirkt da hinein, im Stall von Bethlehem, wo Gott selbst Mensch wird und bis heute. Dabei zeigt er sein Innerstes so deutlich, dass es nicht übersehen werden kann und macht uns Mut, von ihm gestärkt uns mit ihm auf den Weg zu machen.

Albrecht Knoch

Liebe Leserinnen und Leser,

„Alles verlässt Sigmaringen….“ Diesen Satz habe ich in letzter Zeit oft gehört. Es klang ein wenig verzweifelt: Pfarrerin Berner ist verab­schiedet worden, im Mai werde ich mich verabschieden und zum 1. August geht der katholische Pfarrer Berger. Die Bundeswehr geht aus Sigmaringen weg. Ohne Frage sind das gravierende Einschnitte, auch wenn tatsächlich nicht „alles“ Sigmaringen verlässt. Die Frage bleibt aber natürlich bei vielen Christenmenschen: „Was und wer kommt danach?“

Die Jünger Jesu haben auch gefragt: „was soll aus uns bloß werden, wenn Jesus geht?“ Jesus hatte ja angekündigt, dass der Menschensohn leiden wird und sterben muss. Wenn man die Bibel liest, dann merkt man, wie orientierungs­los die Jünger waren oder resigniert: Petrus verleugnet Jesus; bei der Kreuzigung Jesu verkriechen sie sich, nur die Frauen sind zugegen. Oder sie suchen sich wie Judas eine andere Lösung der drängenden Fragen und verraten das, woran sie vorher geglaubt hatten.

Als alles aus scheint, schimmert doch ein Licht in die Nacht der Betrübnis. Wieder entdecken Frauen zuerst die Veränderung: Das Grab ist leer. Und dann dämmert es: Jesus ist doch zugegen, wenn auch anders als vor dem Karfreitag. Gott hat seine Menschen nicht im Stich gelassen! Das Osterlicht überstrahlt die Sorgen und Ängste, sogar den Tod. Am Ende des Matthäusevangeliums steht der in der Lutherbibel fett gedruckte Satz, der bei jeder Taufe vorgelesen wird: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage, bis an das Ende der Welt!“ 

Die Geschichte Gottes mit den Menschen geht also weiter: Jesus begegnet den Jüngern: Denen, die fest glauben und denen, die von Zweifeln hin und her gerissen sind. Später fährt Jesus dann „gen Himmel“ erzählt die Bibel. Die Jünger bleiben alleine zurück, aber sie sind nicht gottverlassen. Gott sendet seinen heiligen Geist am Pfingstfest, jene eigenartige göttliche Kraft, die Menschen befähigt mit dem Glauben zu leben und diesen zu gestalten, auch wenn Jesus nicht mehr leibhaftig spürbar ist. So sind die christlichen Gemeinden entstanden: Da wurde gefeiert und getröstet, aufgebaut und verändert. Die zarte Pflanze des Glaubens wächst, aber sie ist von den Christenmenschen je nach Zeit und Begabung gemeinsam zu pflegen, damit sie größer werden kann und Frucht bringt.

Mir fallen dazu die Weingärtner auf der kanarischen Insel Lanzarote ein: dunkle Lava bedeckt die Insel, es regnet kaum und ständig weht ein Wind. Und doch pflanzen die Menschen dort kleine Weinreben. Sie schützen die Pflanzen mit einem Steinwall, denn die Trockenheit und den Wind können sie nicht ändern. Aber sie glauben fest daran, dass diese Pflanzen wachsen können. Ausgerechnet Weinpflanzen! Dem Symbol des Glaubens und der christlichen Gemeinden: Jesus, der Weinstock und wir die Reben.

Nein, Gott verlässt die Seinen nicht. Pfarrer wechseln Pfarrstellen und Kirchengemeinden unterliegen Veränderungen. Das ist eigentlich normal. Die Pflanze des Glaubens wächst jedoch weiter. Ich wünsche Ihnen allen Kraft und Phantasie, damit Sie in Sigmaringen diese Pflanze zum Blühen bekommen und im Osterlicht neue Früchte entstehen.


Herzliche Grüße,

Ihr Pfarrer Immo Wache

Kontakt

Evangelische Kirchengemeinde Sigmaringen
Karlstr. 24 | 72488 Sigmaringen

Gemeindebüro: 07571 683010
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